"Stadt will Erdwärme anzapfen"
Memmingen strebt Zusammenarbeit mit Experten an - Gespräche laufen - Ziel: Bezahlbarer und konstanter Energiepreis
Die Memminger Stadtwerke würden gerne die in der Erde gespeicherte Wärme anzapfen, um damit Kunden versorgen zu können. Laut Werksleiter Peter Domaschke und Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger wird dafür eine Zusammenarbeit mit der S+R&S Geothermie Memmingen GmbH angestrebt. Wie berichtet, hat die Gesellschaft bereits eine entsprechende Machbarkeitsstudie erstellt. Deren Ergebnisse sind bei den Stadtwerken jetzt auf interessierte Ohren gestoßen.
„Wir führen derzeit Gespräche mit der Gesellschaft“, sagt Holzinger und fügt hinzu: „Über eine mögliche Zusammenarbeit muss natürlich der Stadtrat entscheiden.“ Und dies könnte bereits nach der Sommerpause der Fall sein.
Nach Domaschkes Worten könnte das Projekt – vereinfacht dargestellt – folgendermaßen ablaufen: Die S+R&S Geothermie bohrt nach entsprechenden geologischen Untersuchungen auf eigene Kosten ein bis zu drei Kilometer tiefes Loch. Das würde etwa 40 Tage dauern. In dieser Tiefe könnte man unter Umständen dann auf Wasser stoßen, das um die 100 Grad heiß ist. Die daraus gewonnene Wärme könnte schließlich in ein noch zu bauendes Nahwärmenetz eingespeist und anschließend wieder in die Tiefe geleitet werden.
Heizung fürs neue Freibad
„Wir denken dabei zunächst an die Versorgung von Industriebetrieben“, sagt Domaschke. Aber auch das geplante Freizeitbad könnte so beheizt werden. Für die Erzeugung von Strom reicht die Temperatur des unter Memmingen zu erwartenden Wassers laut Holzinger aber wohl nicht aus.
Wie der Rathauschef weiter erläutert, möchte die Stadt die gewonnene Wärme dann an Kunden der Stadtwerke verkaufen – und zwar zu einem bezahlbaren Preis. Dieser wird nach Angaben der S+R&S GmbH nicht höher sein als derzeit bei Gas- oder Ölheizungen. Die Geothermie biete zudem den Vorteil, dass ihr Preis auf lange Sicht nahezu konstant bleibe. „Denn es gibt keine Abhängigkeit von Zulieferern und Preisschwankungen wie bei Gas oder Öl“, unterstreicht Domaschke: „Einmal gebohrt, liefert ein solches Loch jahrzehntelang Energie.“ Und durch den Verkauf von Erdwärme könnten die Stadtwerke auch vom Weltmarkt abhängige Preiserhöhungen für ihre Gaskunden „abfedern“.
Ferner sei die Nutzung der Geothermie – im Gegensatz zur Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen oder nachwachsenden Rohstoffen wie Futterpflanzen und Holzhackschnitzel – nahezu immissionsfrei und somit sehr umweltverträglich.
Quelle: Volker Geyer - Memminger Zeitung
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