"Heißes Wasser aus der Tiefe"
Projekt Gesellschaft möchte Teile der Region mit Erdwärme versorgen – Studie liegt vor
Um Teile Memmingens und angrenzende Gemeinden mit Wärme versorgen zu können, möchte die S+R&S Geothermie Memmingen GmbH heißes Grundwasser fördern. Allerdings steht das Projekt laut dessen Leiter Robert John Doelling noch im Anfangsstadium. Bislang liegt lediglich eine Machbarkeitsstudie vor. Sie möchte das Unternehmen demnächst den Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung sowie den Stadträten vorstellen.
Laut der Studie weist die für die Förderung von heißem Grundwas- ser interessante Schicht, der Muschelkalk, im Gebiet um Memmingen eine Mächtigkeit von 300 Metern auf. Sie beginnt im Norden der Stadt in einer Tiefe von 1700 Metern und im Süden bei 2000 Metern. „Der Muschelkalk ermöglicht eine dauerhafte Grundwasser-Fördermenge von 50 Litern pro Sekunde“, so Doelling. Er gehe davon aus, dass das Wasser in einer Tiefe von 2000 Metern etwa 80 Grad heiß ist. Die daraus gewonnene Wärme könnte seiner Ansicht nach in ein Nahwärmenetz eingespeist und das abgekühlte Wasser wieder in die Tiefe geleitet werden. „Dieser Kreislauf würde etwa sechs Megawatt Wärme erzeugen, die zum Beispiel für die CO2-freie Versorgung von 500 Einfamilienhäusern genutzt werden könnten“, erklärt Doelling. Die Kosten für die Endkunden seien nicht höher als bei Gas- oder Öl- Heizungen.
Allerdings müsse zunächst die Geologie näher erkundet werden. „Ohne detaillierte Kenntnis des Untergrunds bewegen sich alle weiteren Anlage-Konzeptionen im Bereich der Spekulation.“ Neben der Nutzung des heißen Grundwassers für ein noch zu erstellendes Nahwärmenetz kann sich Doelling auch die Beheizung des geplanten Memminger Freizeitbads mittels einer Erdwärmesonde vorstellen. Darüber hinaus könnte die Temperatur des heißen Grundwassers durch eine Biogasanlage so stark erhöht werden, dass auch Stromgewinnung möglich sei.
Bei der weiteren Vorgehensweise möchte die S+R&S GmbH mit der Stadt und anderen Grundstücksbesitzern zusammenarbeiten. In diesem Zusammenhang sagte Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir können uns die Machbarkeitsstudie gerne einmal ansehen. Aber wir müssen bei der ganzen Sache auch im Auge behalten, dass unsere Stadtwerke nicht geschwächt werden.“ Denn nach Holzingers Ansicht rechnet sich das Erdwärme-Projekt erst dann, „wenn Großkunden da sind“. Und falls die Stadtwerke große Kunden verlieren würden, könnte das unter Umständen einen höheren Preis für die kleineren Gasabnehmer der Stadtwerke bedeuten. Dem hält Doelling entgegen: „Wir wollen den Stadtwerken keine Konkurrenz machen, sondern mit ihnen zusammenarbeiten.“
Quelle: Volker Geyer - Memminger Zeitung
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